"Darum geht es doch: Was erfüllt mich?"

AA

Wie viele Menschen mit Behinderung arbeite auch ich nicht Vollzeit. Bis jetzt beziehe ich keine IV-Rente. Obwohl ich finanziell mit wenig Geld über die Runden kommen muss, bin ich glücklich. Ich habe nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.

Dies hat sicher damit zu tun, dass ich von Natur aus bescheiden bin, was materielle Dinge angeht. Meine Bedürfnisse werden sich verändern, und darauf werde ich reagieren. Aber genügsam bleibe ich wohl immer. Beispielsweise ist es mir recht, jetzt noch keine eigene Wohnung zu haben. Wohngemeinschaften sind für mich eine praktischen Form: Ich bin unabhängig, aber nie allein. Und ich erhalte Hilfe, wo ich sie brauche. Im Gegenzug kann ich auch Unterstützung bieten. Geld vermittelt existenzielle Sicherheit. Als Status-Symbol aber hat es mir nie viel bedeutet.

Zeit zu haben für mich und die Menschen um mich herum oder für Leidenschaften wie Lesen ist mir unendlich viel wichtiger. Was bringt es mir, Markenkleidung zu tragen oder mit dem neusten l-Phone zu telefonieren, wenn ich dabei nicht zufrieden bin?

Glücklich und innerlich gefestigt ist meiner Meinung nach, wer erfüllt ist von dem, was er oder sie tut. Darum geht es doch: Was erfüllt mich? Jeder Mensch beantwortet diese Frage anders. Geld ist es für mich jedenfalls nicht.

Isabel Zwyssig (29), lebt mit einer cerebralen Bewegungsbehinderung in einer Wohngemeinschaft in Muttenz, arbeitet in der Kommunikation und hat an der Uni Bern das Studium in Germanistik, Französisch und deutsche Literaturwissenschaft erfolgreich abgeschlossen.

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